Operation gelungen, Patient tot

Eine 69-jährige Ärztin lies sich von ihrem ärztlichen Kollegen homöopathisch behandeln. Sie hatte ein Ulcus cruris am linken Bein, welcher Handteller groß geworden war. Auf Grund der Unsauberkeit gab er Sulfur D4 zwei mal 4 Tropfen. Die Patientin nahm weitere schulmedizinische Präparate, die nicht aufgeführt werden.

Sie ließ sich in eine Hautklinik einweisen, wo sie  geheilt entlassen wurde. Fünf Tage später war sie verstorben. Operation war zwar gelungen, die Patientin jedoch  tot (ZKH: Band 6 Heft 5/1962 Seite 218-223)

Kommentar:

Das homöopathische Mittel verbesserte zwar das Hautgeschwür. Die Patientin ging um es weiter zur Abheilung zu bringen sogar noch in die Hautklinik, wo es weiter behandelt wurde und verschwand.

Das ist ein typischer fehlerhafter Verlauf einer Behandlung.

Nach der Theorie vom letzten Organ, versucht der Organismus ein Lokalsymptom zu entwickeln, welches den Zweck hat die Lebenskraft zu schützen.

Unterdrücke ich das Lokalsymptom, hier das Ulcus cruris, stirbt der Patient.

Die eigentliche Krankheit ist die chronische Krankheit, die Hahnemann Psora genannt hat.

Sie macht sich bereits symptomatisch ein Leben lang bemerkbar, kann dann jedoch jahrelang ruhen und kommt typischer Weise erneut ab 50. Lebensjahr zum Vorschein.

Einzelheiten zu der psorischen Vorerkrankung werden in dem Fallbeispiel nicht genannt.

Wichtig ist, hier wurde das Lokalsymptom des Ulcus cruris unterdrückt und die Patientin verstarb. Das war nicht etwa zufällig, sondern gesetzmäßig, Die alten Homöopathen haben diesen Zusammenhang oft genug beschrieben. Heute kennt ihn offenbar kaum noch jemand.

Wie hätte auf gar keinen Fall behandelt werden dürfen?

Indem ich den Charakter der Patientin erforsche und meine mit einem angeblich den Charakter abdeckenden homöopathischen Mittel könnte ich die zugrunde liegende Psora erkennen und heilen, wie das bei den heutigen Geistheilern unter den „Homöopathen“ praktiziert wird.

Wenn ich mein homöopathisches Handwerk schon nicht richtig beherrsche, dann wäre die sichere Alternative gewesen das ulcus cruris schulmedizinisch zu versorgen. Dabei heilt es zwar nur selten ab, aber der Patient stirbt nicht an den Folgen der falschen, weil unterdrückenden, Behandlung.

Die organbezogene homöopathische Behandlung ist als gefährlich einzustufen und schwächt die Lebenskraft mit dem hier bekannten Ergebnis.

Hinweis:

Aus berufsrechtlichen Gründen ist es mir untersagt eigenen Behandlungsfälle hier vorstellen und muss mich deshalb auf die Analyse bereits veröffentlichter Fallvorstellungen angewiesen.

Der Beitrag ist für Ärzte gedacht und dient nicht der Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung von Patienten.

Behandlung von Multipler Sklerose auf der Basis von schulmedizinischen Diagnosen

Frau Dr. med.  Edith Halpaus schrieb in ZKH 1957/1 über die Behandlung ihrer eigenen Multiplen Sklerose. Sie erlitt zuerst eine Parese der rechten Hand, dann Nachlassen des Gedächtnisses, danach Zentralskotom, anschließend Parese rechtes Bein.

Sie verwendete zuerst Opium D30, später Kalium phosphoricum D12, in akuten Schüben Aconitum D12.

Dann verwendete sie eigenen Liquor als Ausgangsmaterial zur Herstellung einer homöopathischen Potenzierung .  Mit dieser Nosode hat sie sich und ihre Patienten behandelt.

Trotz der homöopathischen Behandlung kamen weitere Krankheitsschübe.

Sie hätte durch die MS-Nosode die Erfahrung gemacht, dass diese zwar nicht heilt, aber erfreulich zur allgemeinen Besserung beigetragen habe. MS sei eine therapeutisch schwer zu beeinflussende Krankheit.

Ihr war es schließlich durch das Fortschreiten der Krankheit nicht mehr möglich ärztlich tätig zu sein.

Analyse:

MS ist eine Krankheit des syphilitischen Formenkreises, welche das Nervensystem und das Zentralnervensystem angreift.

Die geschilderten Symptome reichen nach meiner Einschätzung nicht zur Beurteilung der homöopathischen Behandlungserfordernisse aus.

Lähmungen sind zwar wichtige pathologische Symptome, die unbedingt berücksichtig werden sollten.

Genauso wichtig ist jedoch die Vorerkrankung. Davon berichtet die Kollegin zu meinem Bedauern nichts.

Meine Fragen wären gewesen:

Was war in der Kindheit auffällig?

Wie viele Impfungen mit welchen Symptomen hat die Kollegin erhalten?

Wie sieht die Familienanamnese aus?

Waren vor den ersten Lähmungserscheinungen bereits Kopfschmerzen zu verzeichnen?

Hahnemann spricht von Symptomen und Zeichen. Alles, was auf ein pathologisches Geschehen hindeuten könnte, wie Kopf- Glieder- sonstige Schmerzen wären zu erfragen und zu berichten.

Obwohl der Bericht in der ZKH erschienen ist, erscheint er für eine homöopathische Behandlung nicht ausreichend erhoben.

Hahnemann hatte bereits Bedenken gegen die Eigennosodenbehandlung erhoben. Wir wissen nicht, welche Symptome die Nosode beim Gesunden entwickelt. Es ist deshalb nicht davon auszugehen, dass er beim Kranken Gesundheit bewirkt.

Bei einer Krankheit wie MS sollte vielleicht genauer die Symptomatik erhoben werden, um letztlich die Pathologie der Krankheit richtig verstehen zu können.

Mit der verstandenen Pathologie sind wir eher in der Lage die heilkräftigen Mittel zu bestimmen, als mit allgemeinen schulmedizinische Diagnosen. Diese gehören zwar unbedingt dazu, reichen alleine jedoch nicht aus.

Ein Fall erfolgreiche Behandlung wird hier beschrieben:

ZKH: Band 27 Heft 3/1983 Seite 99-101 H.V. Müller

Nachtrag: Das Problem der Fluktuation der Lebenskraft wird bei allen vorgestellten Behandlungsansätzen nicht beachtet, wäre jedoch für die Herstellung einer gesunden Lebenskraft und damit der Gesundheit erforderlich.

Hinweis:

Aus berufsrechtlichen Gründen ist es mir untersagt eigenen Behandlungsfälle hier vorstellen und muss mich deshalb auf die Analyse bereits veröffentlichter Fallvorstellungen angewiesen.

Der Beitrag ist für Ärzte gedacht und dient nicht der Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung von Patienten.