Der große Gottesleugner

Zur Gretchenfrage äußert sich Wikipedia:

„Der Begriff Gretchenfrage bezeichnet eine Gewissensfrage (oder eine Frage nach dem Willen), die vom Befragten nicht gerne beantwortet wird.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Gretchenfrage

Hier  der Auszug aus dem Faust:

 Ach Margarete
Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?
Du bist ein herzlich guter Mann,
Allein ich glaub, du hältst nicht viel davon.

3415

Faust
Laß das, mein Kind! Du fühlst, ich bin dir gut;
Für meine Lieben ließ‘ ich Leib und Blut,
Will niemand sein Gefühl und seine Kirche rauben.

3420

Margarete
Das ist nicht recht, man muß dran glauben.

Faust
Muß man?

Margarete
Ach! wenn ich etwas auf dich konnte!
Du ehrst auch nicht die heil’gen Sakramente.

Faust
Ich ehre sie.

Margarete
Doch ohne Verlangen.
Zur Messe, zur Beichte bist du lange nicht gegangen.
Glaubst du an Gott?

3425

Faust
Mein Liebchen, wer darf sagen: Ich glaub an Gott?
Magst Priester oder Weise fragen,
Und ihre Antwort scheint nur Spott
Über den Frager zu sein.

3430

Margarete
So glaubst du nicht?

Faust
Mißhör mich nicht, du holdes Angesicht!
Wer darf ihn nennen?
Und wer bekennen:
»Ich glaub ihn!«?
Wer empfinden,
Und sich unterwinden
Zu sagen: »Ich glaub ihn nicht!«?
Der Allumfasser,
Der Allerhalter,
Faßt und erhält er nicht
Dich, mich, sich selbst?
Wölbt sich der Himmel nicht da droben?
Liegt die Erde nicht hier unten fest?
Und steigen freundlich blickend
Ewige Sterne nicht herauf?
Schau ich nicht Aug in Auge dir,
Und drängt nicht alles
Nach Haupt und Herzen dir,
Und webt in ewigem Geheimnis
Unsichtbar sichtbar neben dir?
Erfüll davon dein Herz, so groß es ist,
Und wenn du ganz in dem Gefühle selig bist,
Nenn es dann, wie du willst,
Nenn’s Glück! Herz! Liebe! Gott
Ich habe keinen Namen
Dafür! Gefühl ist alles;
Name ist Schall und Rauch,
Umnebelnd Himmelsglut.

3435

3440

3445

3450

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http://sciencesoft.at/book/book?book=Faust1&chapter=18&lang=de

Kommentar:

Goethe ist die Definition Gottes durchaus bewusst:

„Der Allumfasser,
Der Allerhalter,
Faßt und erhält er nicht
Dich, mich, sich selbst?
Wölbt sich der Himmel nicht da droben?
Liegt die Erde nicht hier unten fest?
Und steigen freundlich blickend
Ewige Sterne nicht herauf?
Schau ich nicht Aug in Auge dir,“

Das beschreibt Gott als den Schöpfer des Himmels und der Erde.

An diesen muss man nicht glauben, ergänzt er und führt aus, er wirke so selbstverständlich, dass ein Glaube an ihn nicht erforderlich wäre. Wir sehen ihn und müssten deshalb nicht glauben.

Dann werden seine Ausführungen jedoch abwegig:

„Nenn es Glück, Herz, Liebe, Gott.“

Als ob diese drei Aussagen identisch wären, also speziell mit Gott zu tun hätten.

Goethe versucht mit der Aussage den Gottesbegriff auf die Gefühlsebene herabzuwürdigen. Gefühle sind nach der Schöpferdefintion jedoch nicht für die Erschaffung des Himmels und der Erde zuständig.

Wir wissen aus unseren medizinischen Erfahrungen, dass die Orientierung im Leben die wichtigste Grundlage für Gesundheit darstellt.

Gott in unseren Gefühlen zu finden ist der offensichtlich verkehrte Weg.

Damit gibt Goethe zu, es gibt keinen Sinn in seinem Leben. Das einzige was er erkennen kann sind Gefühle.

Dasselbe Problem hat ein Gefühl überschwänglicher Patient, wenn er sich selbst keinen Lebenssinn zugeordnet hat, also keine Orientierung im Leben hat.

Dann versucht der gefühlsüberschwängliche Patient in der Steigerungsstufe das angeblich Wahre Gotteserlebnis mit Gefühlsverstärkern wie Rauschmittel oder Meditation zum Lebenssinn zu erheben.

Das nenne ich das atheistische Problem der Gegenwart oder der Tanz des Satans um das Goldene Kalb.

Goethe wird heute in den weiterführenden Schulen als Weltliteratur mit dieser verkehrten Weltsicht allen Schülern obligatorisch vermittelt.

Welche Folgen diese kranke Weltsicht hat ist offensichtlich.

Eine gesunde Religiosität, welche den Schöpfer des Himmels und der Erde als oberste Autorität anerkennt, dabei jedoch keine Gefühle und keine falschen Autoritäten an die Stelle von Gott erhebt ist in unserer Gesellschaft verloren gegangen.

Esoterik ist alles, Gott ist nichts. Genau diese finden wir bei Goethe und dem Atheismus der Gegenwart.

Die Homöopathie macht da heute leider keine Ausnahme.

Ein Gedanke zu „Der große Gottesleugner“

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