Zum Tod des Religionskritikers Deschner: Richter Gnadenlos

Zitat: FAZ:

„10.04.2014  ·  Er war einer der schärfsten Kritiker des Christentums und seiner Institutionen. Seine Arbeiten sind preisgekrönt und doch heftig umstritten. Nun ist Karlheinz Deschner im Alter von 89 Jahren verstorben.“

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/zum-tod-des-religionskritikers-deschner-richter-gnadenlos-12889729.html

Für Deschner gab es nur einen Feind, das war die katholische Kirche. Seine Reihe „Und abermals krähte der Hahn“ machte ihn 1962 bekannt.

Der Kirchenkritiker Hans Küng hat seine Kritik als nicht akzeptabel zurück gewiesen.

Jetzt kommt die interessante Frage: Was hat das mit Homöopathie zu tun?

Herr Deschner hat Philosophie und Geschichte in Würzburg studiert, kritisiert als Lebenswerk jedoch die katholische Religion oder besser ihre Institutionen.

Da drängen sich die Parallelen zur Homöopathie und ihrer Kritiker regelrecht auf.

Wer sind die Kritiker der Homöopathie, die ihr Lebenswerk darin sehen Ärzte für Homöopathie zu kritisieren?

Richtig, es sind keine Ärzte für Homöopathie, sondern Biologen, Mathematiker, Physiker. Kurz gesagt, alles Personen, die noch nie im Leben die Verantwortung hatten anderen Menschen zu Gesundheit zu verhelfen.

Zurück zu Herrn Deschner. Seine Arbeit findet meine größte Hochachtung. Er hat sich mit einer mächtigen Institution in Deutschland angelegt, der katholischen Kirche.

Was treibt einen Menschen dazu sich mit dieser fast übermächtigen Institution in Süddeutschland anzulegen?

Zitat:

„Karl Heinrich Leopold Deschner wurde am 23. Mai 1924 in Bamberg geboren. Sein Vater Karl, Förster und Fischzüchter, katholisch, entstammte ärmsten Verhältnissen. Seine Mutter Margareta Karoline, geb. Reischböck, protestantisch, wuchs in den Schlössern ihres Vaters in Franken und Niederbayern auf. Sie konvertierte später zum Katholizismus.“

http://www.deschner.info/

Hier wird zwar nicht die Frage beantwortet, wie Deschner dazu kam es als seine Lebensaufgabe anzusehen Kirchenkritiker zu werden.

Offensichtlich ist jedoch, dass er in eine katholische Familie hineingeboren wurde. Das muss in seinem späteren Leben genügend Energie freigesetzt haben, um gegen die katholische Kirche als scharfer Kritiker zu kämpfen.

Ohne jemals eine Psychoanalyse von ihm gelesen zu haben, die es erfahrungsgemäß auch nicht geben kann, gehe ich vom bekannten Mechanismus der Fixierung aus.

Eine traumatische Verletzung in der Kindheit ist bestens geeignet eine Fixierung hervor zu rufen. Fixierung heißt, der Mensch beschäftigt sich sein Leben lang mit einem einmal erlittenen Unrecht und ist nicht mehr in der Lage das Thema der Verletzung fallen zu lassen oder zumindest zu beenden.

Daraus entwickelt sich der Wiederholungszwang: Das Opfer der Verletzung kehrt ständig zum Ort der unerträglichen Gewalteinwirkung zurück, erlebt es erneut und versucht in der Phantasie zu einem besseren Ergebnis zu kommen, als das in der Realität der Fall war.

Ob das bei Herrn Deschner nun der Fall war, lässt sich mangels Analyse nicht feststellen.

Die Erfahrungen als homöopathischer Arzt mit den Skeptikern lässt jedoch Parallelen zu.

Wie kommen Skeptiker dazu hasserfüllte Pamphlete über Homöopathie zu verfassen,  von der sie niemals im Leben jemals etwas verstanden haben?

Sie haben diesen Beruf weder erlernt, noch anderweitig studiert, ziehen ihr Leben lang jedoch gegen Homöopathie zu Felde.

Lässt sich Ärzten für Homöopathie Machtmissbrauch nachweisen?

Hat Herr Hahnemann sein Leben lang für viel Geld wenig gearbeitet und arme Mitmenschen betrogen?

Das lebenslange Verweilen und Zurückkehren zu einem nie abgearbeiteten Thema nenne ich eine neurotische Fixierung. Im Leben der Betroffenen dürfte ein schlimmes Ereignis stattgefunden haben, welches sie unbewusst zwingt sich mit den unbekannten Mechanismen des Unbewusstseins auseinander zu setzen. Das erzeugt Furcht und Abwehr, die offenbar auf die Homöopathie und ihre Anhänge projiziert wird.

Stichwort Don Quijote:

„Von seinem Stallmeister begleitet, bricht Don Quijote zu seinem zweiten Ausritt auf. Hier ereignen sich jene Taten, für die der Roman berühmt ist. Don Quijote kämpft gegen Windmühlen, die ihm als Riesen erscheinen (der Ausdruck „gegen Windmühlen kämpfen“ geht auf diese Geschichte zurück), attackiert staubumwölkte Hammelherden, die für ihn mächtige Heere zu sein scheinen, jagt einem Barbier sein Rasierbecken ab, das für ihn den Helm des Mambrin darstellt, besteht einen „blutigen“ Kampf mit einigen Schläuchen roten Weines und dergleichen mehr. …

Hier setzt der Verfasser an (Cervantes). Sein Don Quijote soll nicht nur die Ritterromane parodieren, sondern auch vor Augen führen, wie deren übermäßige Lektüre den Verstand raubt.“

http://de.wikipedia.org/wiki/Don_Quijote

Cervantes hat erkannt, dass Literatursucht eine besondere Form der Krankheit darstellt, wie das im Zusammenhang mit Herrn Ranicki ausgeführt wurde.

http://www.quantenhomöopathie.de/?p=156

Herr Deschner hat eine wichtige Arbeit übernommen. Er hat die dunkle Seite der Macht der Katholischen Kirche kritisiert. Diese Arbeit ist hoch zu würdigen. Sie endet jedoch nicht bei der katholischen Kirche, sondern bei allen machtausübenden Strukturen in der Geschichte der Menschheit, bis zu heutigen Staatswesen. Auch heute wird durch den Staat die Macht missbraucht.

Die Fixierung von Herrn Deschner auf die katholische Kirche war also offenbar unberechtigt. Wer als Gesellschaftskritiker den Machtmissbrauch kritisiert, sollte ihn nicht da kritisieren, wo er persönlich offenbar die schlechtesten Erfahrungen gemacht hat, sondern da wo er überall auftritt. Für Staatskritik stehen heute jedoch andere Namen.

Alleine die Tatsache, dass er gegen eine übermächtige Organisation das Wort ergriffen hat und ihre Verfehlungen unmissverständlich kritisiert hat, macht ihn jedoch zu einen bedeutenden Menschen der Gegenwart.

weitere Ausführungen:

„Der Titel des Buchs geht auf eine Stelle aus dem Markusevangelium zurück, in der Jesus zu Petrus sagt: „Wahrlich, ich sage dir: Heute, in dieser Nacht, ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.“ (Mk. 14,30)

Weiter heißt es dann im griechischen Originaltext: Καὶ εὐθὺς ἐκ δευτέρου ἀλέκτωρ ἐφώνησεν. – Kai euthys ek deuterou alektōr ephonēsen. – „Und abermals krähte der Hahn.“ (Mk. 14,72)“

http://de.wikipedia.org/wiki/Abermals_kr%C3%A4hte_der_Hahn

Wikipedia führt aus, dass die einfachen Bürger zwecks Machterhalt keinen Einblick in die religiösen Bücher haben dürfen:

„Die Synode von Toulouse bestimmte im Jahr 1229: „Die Laien dürfen die Bücher des Alten und Neuen Testaments nicht besitzen.“

In einem kirchlichen Gutachten unter Papst Julius III.1555) heißt es: „Endlich ist unter allen Ratschlägen, die wir zur Zeit geben können, der wichtigste, mit allen Kräften dahin zu streben, daß niemand auch das geringste aus dem Evangelium vorzüglich in der Volkssprache zu lesen erlaubt ist und werde.“

http://de.wikipedia.org/wiki/Abermals_kr%C3%A4hte_der_Hahn

Auch die Behauptung, die Päpste gingen direkt auf Petrus zurück muss angezweifelt werden. Die Zeitschrift „Der Theologe“, Herausgeber Dieter Potzel, Ausgabe Nr. 51 führt aus:

„Die Rechtfertigung, dass Jesus von Nazareth mit den Worten „Du bist Petrus, der Fels, und auf diesen Felsen will ich Meine Kirche bauen“ (Matthäus 16, 18) die katholische Kirche installiert habe, ist eine Verhöhnung des Mannes aus Nazareth, denn Jesus hat niemals eine solche Kirche gewollt. Doch selbst wenn Jesus dies gesagt haben sollte: Sein Jünger Simon Petrus hat ebenfalls nichts mit der römisch-katholischen Kirche zu tun. Er wurde später nur, wie Jesus selbst, von der Kirche auf schändliche Art und Weise vereinnahmt, nämlich als eine Art erster „Bischof“ bzw. erster „Papst“ von Rom.“

http://www.theologe.de/petrus-christus-fels-schluesselgewalt.htm

Religion der katholischen Kirche ist nach diesen Ausführungen als fragwürdige Täuschung der Gläubigen anzusehen. Herr Deschner hat sicher dazu beigetragen das öffentlich auszusprechen.

 

Todestrieb

Zitat Sigmund Freud aus „Jenseits des Lustprinzips“:
„Nach der Theorie E. Hering`s von den Vorgängen in der lebenden Substanz laufen in ihr unausgesetzt zweierlei Prozesse entgegengesetzter Richtung ab, die einen aufbauend – assimilatorisch, die anderen abbauend – dissimilatorisch. Sollen wir es wagen, in diesen beiden Triebregungen, der Lebenstriebe und der Todestriebe, zu erkennen? …
Versuchen wir kühn, einen Schritt weiter zu gehen. Nach allgemeiner Einsicht ist die Vereinigung zahlreicher Zellen zu einem Lebensverband, die Vielzelligkeit der Organismen, ein Mittel zur Verlängerung ihrer Lebensdauer geworden. Eine Zelle hilft dazu das Leben der anderen zu erhalten, und der Zellenstaat kann weiter leben, auch wenn einzelne Zellen absterben müssen. Wir haben bereits gehört, dass auch die Kopulation, die zeitweilige Verschmelzung zweier Einzelligen, lebenserhaltend und verjüngend auf beiden wirkt. “ Sigmund Freud, „Jenseits des Lustprinzips“ Kindl Bibliothek, Position 671.
Sigmund Freud konstatiert, dass es in der Natur aufbauende Kräfte gibt, welche die Entstehung von Leben begünstigen und abbauende Kräfte, welche dem Erhalt des Lebens entgegen gesetzt sind. Diese Tendenzen hat er in der menschlichen Psyche ebenfalls ausfindig gemacht. Er bezeichnet letzte Kräfte als Todestrieb. 1995 hat sich Herr Jochen Ehlers im Rahmen einer Diplom bzw. Magisterarbeit mit der Todestriebshypothese auseinander gesetzt.
link:

Aus homöopathischer Sicht ergeben sich Berührungspunkte.

    Kriterien des Lebens sind folgende:

– Selbstreproduktion
– Mutation
– Metabolismus
Alle drei Komponenten sind zum Erhalt des Lebens erforderlich. Die Selbstreproduktion ist zum Erhalt des Erbmaterials notwendig. Die Mutation oder besser Veränderung der Erbeigenschaften dient zur Anpassung des Individuums an die Umwelt. Der Metabolismus dient zur Aufrechterhaltung der Lebensvorgänge.
Aus den Freudschen Betrachtungen ergibt sich die Frage, ob hier nicht Ursache mit Wirkung verwechselt worden ist.
Aus den drei angeführten Kriterien des Lebens ergibt sich, dass sich das Leben nur unter Mühe und Anstrengung und dem Verbrauch von Energie gegen die unbelebte Materie bzw. den Tod abgrenzen kann. Dafür ist in der Homöopathie der Ausdruck Lebenskraft gebräuchlich. Wenn die Lebenskraft zu gering ist, stirbt das Individuum. Es ist nicht erforderlich einen zusätzlichen Todestrieb zu postulieren, welcher den Tod bewirkt. Es reicht aus, dass eines der drei Kriterien des Lebens unzureichend funktioniert, damit das Leben in seinen ursprünglichen Zustand zurück geführt wird, in den Zustand der toten Materie. Mit diesen Ausführungen soll keine Aussage darüber getroffen werden, ob die Todestriebtheorie von Sigmund Freud aus psychologischer Sicht eine gewisse Berechtigung hat.
Bestritten werden soll jedoch, dass ein Todestrieb auf psychischer Ebene ihren Ursprung als von Anfang des Lebens mitgegebener Trieb haben könnte, der auf Erfüllung drängt.
Patienten, die das erhebliche Bedürfnis haben sich und andere Menschen zu zerstören, sind aus homöopathischer Sicht nicht mit dem Todestrieb behaftet, sondern grenzwertig erkrankt oder normal. Diese Tendenz wird homöopathisch nicht als Trieb verstanden, sondern als chronische Krankheit, die ggf. zu heilen wäre.
Darunter fallen besonders Erkrankungen des syphilitischen Miasmas.
Eine gewisse Tendenz zur Aggressivität wird als normal angesehen werden müssen und dient der Lebenserhaltung, wie z. B. Revierkämpfe oder Kämpfe um elementare Menschenrechte, die auch in der modernen Gesellschaft erneut erkämpft werden müssen.
Der Mensch muss in der Lage sein für sein tägliches Brot zu kämpfen, wenn es ihm täglich genommen wird. Das ist eher Ausdruck eines gesunden Lebenstriebes als eines Todestriebes.
Physikalisch wird der Vorgang der Verringerung der Lebenskraft als Dekohärenz bezeichnet.
Dazu verweise ich auf die Ausführungen hier im Blog unter physikalische Grundlagen der Homöopathie.

Hahnemann hat erklärt, was alles zu Krankheiten führen kann (Zitat):

„Alle Dinge, welche nur irgend wirksam sind (ihre Zahl ist unübersehlich1), vermögen auf unsern innigst mit allen Theilen des Universums in Verbindung und in Conflict stehenden Organismus einzuwirken und Veränderungen hervorzubringen – jedes eine verschiedenartige, so wie es selbst verschiedenartig ist.

Einige derselben sind, z.B. die unzählige Menge von Gerüchen, die mehr oder weniger schädlichen Ausdünstungen aus leblosen und organischen Substanzen, die so verschiedentlich reizenden, mancherlei Gasarten, die in der Atmosphäre, in unsern Werkstätten und Wohnungen auf unsere Nerven ändernd wirken, oder uns aus Wasser, Erde, Thieren, Pflanzen entgegen strömen; – Mangel an dem unentbehrlichen Nahrungsmittel für unsere Vitalität, der reinen, freien Luft, – Uebermaass oder Mangel des Sonnenlichts, Uebermaass oder Mangel der beiden Arten electrischen Stoffs, abweichende Druckkraft der Atmosphäre, ihre Feuchtigkeit oder Trockenheit, die noch unbekannten Eigenheiten hoher Gebirgsgegenden gegen die in niedrigen Orten und tiefen Thäler), die Eigenheiten der Klimate und anderer Ortslagen auf grossen Ebenen, auf gewächs- oder wasserlosen Einöden hin, gegen das Meer, gegen Sümpfe, Berge, Wälder, gegen die verschiedenen Winde – Einfluss sehr veränderlicher, oder allzu gleichförmig lange anhaltender Witterung, Einfluss der Stürme und mehrerer Meteore – allzu grosse Wärme oder Kälte der Luft, Blösse, oder übertriebene künstliche Wärme unserer Körperbedeckung oder der Stuben, Beengung einzelner Glieder

durch verschiedene Anzüge – der Grad der Kälte und Wärme unserer Nahrungsmittel und Getränke, Hunger oder Durst oder Ueberfüllung mit Speisen und Getränken und ihre schädliche, arzneiliche, den Körper umändernde Kraft, die sie theils vor sich besitzen (wie Wein, Branntwein, die durch mehr oder weniger schädliche Kräuter gewürzten Biere, das mit fremdartigen Stoffen geschwängerte Trinkwasser, der Kaffe, der Thee, die ausländischen und inländischen Gewürze, und Gewürzkräuter, und die damit reizend gemachten Speisen, Saucen, Liqueure, Schokolade, Kuchen, die unerkannte Schädlichkeit oder Gesundheit verändernde Kraft einiger Gemüse und Thiere im Genusse) theils sie durch nachlässige Zubereitung, Verderbniss, Verwechselung oder Verfälschung bekommen (z.B. schlecht gegohrnes und unausgebackenes Brod, halbgekochte Fleisch- und Gewächsspeisen, oder andere vielfach verdorbene, gefaulte, verschimmelte, oder durch Gewinnsucht verfälschte Nahrungsmittel, in metallenen Geschirren zubereitete oder aufbewahrte Speisen und Getränke, gekünstelte, vergiftete Weine, mit ätzenden Substanzen verschärfter Essig, Fleisch kranker Thiere, mit Gyps oder Sand verfälschtes Mehl, mit schädlichen Saamen vermischtes Getreide, mit gefährlichen Gewächsen aus Bosheit, Unwissenheit oder Dürftigkeit vermischte oder vertauschte Gemüsse) – Unreinlichkeit des Körpers, der Körperbedeckungen, der Wohnungen, nachtheilige Substanzen, die durch Unreinlichkeit oder Nachlässigkeit bei der Zubereitung und Aufbewahrung in die Nahrungsmittel gerathen – der auf uns eindringende Staub mancherlei schädlichen Gehalts von den Stoffen unserer Fabrikationen und Gewerbe – Vernachlässigung mehrerer Anstalten der Polizei zur Sicherung des allgemeinen Wohls – allzu heftige Anspannung unserer Körperkräfte, allzu schnelle active oder passive Bewegung, übermässige Excretionen einzelner Körpertheile, widernatürliche Anstrengung einzelner Sinnorgane, mancherlei unnatürliche Lagen und Stellungen, welche die verschiedenen Arbeiten mit sich bringen – Mangel des Gebrauchs einzelner Theile oder allgemeine unthätige Körperruhe – ungeregelte Zeiten der Ruhe, der Mahlzeiten, der Arbeit – Uebermaass oder Mangel des Schlafs – Anstrengung in Geistesarbeiten überhaupt, oder in solchen, welche einzelne Seelenkräfte besonders erregen oder ermüden, oder widrig und gezwungen sind, empörende oder entnervende Leidenschaften durch Lesereien, Erziehung, Angewöhnung und Umgang erregt – Missbrauch des Geschlechtstriebs – Gewissensvorwürfe, drückende Lage des Hauswesens, kränkende Familienverhältnisse, Furcht, Schreck, Aergerniss u.s.w.“

[Samuel Hahnemann: Heilkunde der Erfahrung, S. 58. Samuel Hahnemann: Gesammelte Werke, S. 20987 (vgl. Heilkunde, S. 99)].

Heute sieht kaum ein Homöopath die Liste als verbindlich an. Es hält sich so gut wie niemand an die Vorgaben. Vermutlich ist es auch weitgehend nicht erforderlich. Die aufgezählten Einflüsse machen schließlich nicht jeden krank. Sie können jedoch mitunter ein Heilungshindernis darstellen.

Aktuelles Beispiel – Missbrauch des Geschlechtstriebs –

Das ist das große Thema unserer Gegenwart. Unter dem Deckmantel der Freiheit wird dem Missbrauch des Geschlechtstriebs eine Funktion als Lebenserfüllung, Sinngebung und Gottesersatz zugewiesen.

Die FAZ meint Masters und Jones hätten Freud wiederlegt:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/amerikas-tv-serie-masters-of-sex-als-noch-alle-glaubten-was-freud-glaubte-12627434.html

Die FAZ bringt ihr fragwürdiges Menschenbild wie folgt zum Ausdruck:

„Die echte Virginia Johnson, die im Juli dieses Jahres im Alter von achtundachtzig Jahren starb, war ihrer Zeit weit voraus. Sie war viermal verheiratet, hatte zwei Kinder und sagte einem Reporter einmal, sie habe „nie einen Mann geheiratet, den ich wirklich liebte“.“

Wer vier mal als Frau heiratet und nie einen Mann liebt, den sie heiratet, ist demzufolge seiner Zeit weit voraus. Ich muss die Perversion des menschlichen Zusammenlebens unter dieser Geisteshaltung vermutlich nicht kommentieren. Das Ergebnis kann nur Krieg zwischen Mann und Frau sein, welcher die Gesundheit beider schwer beschädigt. Die Religionen haben den Bezug der Ehe zu Gott nicht umsonst hergestellt und gefordert. Der christliche Gott sollte ein Gott der Nächstenliebe sein und nicht der Selbstsucht. Wer vier mal heiratet, ohne den Geheirateten zu lieben, ist offenbar sehr selbstsüchtig und damit einer Zeit voraus gewesen, die immer mehr Züge von Selbstsucht entwickelt.

Auch zu viel und zu wenig Arbeit können krank machen… Stichwort: burnig out…

die Hahnemannsche Liste ist sehr lang.

All diese Einflüsse können Veränderungen der Lebenskraft bewirken, die krank machen.

Wozu braucht da Sigmund Freud noch einen Todestrieb?

Die unangemessene, unverträgliche Lebensweise bewirkt nach Hahnemann bereits Krankheit und damit letztlich vorzeitiges Ableben.

Für frühkindliche Einflüsse sind kränkende Familienverhältnisse, Furcht, Schreck, Ärgerniss u.s.w von Bedeutung. Sie ziehen sich belastend durch das ganze Leben. Nach den neueren Hirnforschungen sind diese Negativbelastungen aus der Kindheit nur durch positive Erfahrungen zu überlagern und dadurch im Laufe des Lebens zu vermindern und im besten Fall auszulöschen. Ähnliches gilt für Kriegstraumen.

Homöopathie allein kann kein Kriegstrauma heilen, jedoch helfen diese Schichten des Unbewussten ins Bewusstsein zu bringen und neu im Sinne einer Psychotherapie zu verarbeiten. Die Zusammenarbeit des Homöopathen mit einem Psychotherapeuten hat sich bei diesen Patienten bewährt.

Freud kam auf seine Idee des Todestriebs über die Perversionen. Wir kennen homöopathische Mittel, welche bei Gesunden perverses Verhalten auslösen, also beim Kranken heilen können. Der Todestrieb als Perversion verstanden wäre aus homöopathischer Sicht mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit heilbar.

Das Thema Literatur spielt für den Homöopathen eine große Rolle,eine Rolle als Helfer für die Verfolgten und Geschundenen.

Literatur wird von zahleichen Autoren als Selbstreflexion, Eigenpsychoanalyse und im besten Sinne als Selbsttherapie betrieben. Es finden sich stets auch zahlreiche Leserinnen/Leser, welche die Probleme des Autors als die eigenen wieder erkennen. Herr Schirrmacher hat sich einfühlsam mit Herrn Reich-Ranicki in einem Nachruf auseinander gesetzt:

„Und während er, wie er oft erzählte, jedes Jahr in sich immer nur mehr Begeisterung und Liebe für Thomas Mann und Brecht und Gründgens und Goethe entdeckte, wuchs mit jedem Jahr auf der anderen Seite der Hass: der Hass wohlgemerkt eines ganzes Staates und all seiner Bürokratien auf den jungen Juden, der nichts anderes wollte, als ins Deutsche Theater zu gehen.“

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/marcel-reich-ranicki/nachruf-auf-marcel-reich-ranicki-ein-sehr-grosser-mann-12580222.html

Herr Reich-Ranicki war Opfer seiner Umgebung, des Staates und des von ihm betriebenen Judenhasses.

 „er (hat) die Traumatisierung gewissermaßen ausquartiert. Das hieß nicht, dass sie verschwunden war. Sie wartete draußen vor der Tür, immer begierig, es sich wieder bei ihm bequem zu machen. Er schaute ständig nach, ob noch abgeschlossen war. Er setzte sich niemals mit dem Rücken zur Tür. Er rasierte sich mehrmals täglich, weil unrasierte Menschen im Warschauer Getto aufgegriffen wurden. Es traumatisierten ihn die Dinge, die kommen könnten und die sich als böse Vorahnungen in der bürgerlichen Sozietät zu verpuppen schienen: die Fassbinder-Kontroverse und der Historiker-Streit, beides hat er bis zuletzt nicht wirklich überwunden.“

Das sind die Aussagen, die sowohl einen Homöopathen, als auch einen Psychotherapeuten aufhorchen lassen.

Der grenzenlose Hass des deutschen Staates gegen Juden hatte Folgen: Herr Reich-Ranicki war ein Leben lang Verfolgter des Unrechtsregimes.

Er versuchte die Ängste und das Unbehagen zwar ständig zu verdrängen. Das gelang jedoch nicht. Literatur und der Zwang zur anspruchsvollen Unterhaltung war dadurch für ihn ein Arzt, ein guter Freund, ein Helfer in der Not.

Er hat trotz der erlittenen Schäden geschafft einen Dialog mit Hilfe der Literatur zu anderen Menschen herzustellen und war darin wohl unübertroffen.

Viele Opfer von Willkür und Verfolgung schaffen den Weg nicht zurück zu sich selbst und zu Freunden. Sie gehen mit der Literatur oft einen Weg ins innere Exil.

Das hat er offenbar vermeiden können. Literatur als der innere Arzt. Das war das Thema, was beim Nachruf zu Herrn Reich-Ranicki unter den Tisch gekehrt wurde und deshalb hier zur Sprache kommen muss.

Das selbe Problem haben viele verfolgte Traumatisierte aus dem kommunistischen Teil Deutschlands erlitten. Viele Tausende schauen auch heute noch jeden Tag zwei mal, ob die Tür wirklich abgeschlossen ist oder vielleicht ein Büttel der Staatsmacht eine Abhöranlage installiert hat.

Es gibt auch viele Beispiele aus der Literatur, bei der der Versuch des Ausbruchs aus der eigenen Krankheit misslungen ist. Da sollte der Homöopath im Sinne Hahnemanns erkennen, dass Literatursucht auch eine Krankheit sein kann, bei der wir das Problem erkennen und helfen sollten.

Traumatisierungen werden vererbt und setzen sich teilweise mehrere Generationen fort.

Mit dieser Erkenntnis wird deutlich, wieso Sigmund Freud von einem Todestrieb geredet hat. Die Urgroßeltern wurden verfolgt, die nachfolgenden Generationen zeigen ein Verhalten, welches auf Zerstörung des Mitmenschen gerichtet ist.

Das kann man als Perversion betrachten, aber auch als Todestrieb, obwohl das Freud vermutlich nicht in diesem Sinne geäußert hat. Für ihn gab es wohl keine Vererbung psychischer Eigenschaften als eine Art Ursünde. Er setzte dafür auf den „Todestrieb“, der dafür von den Homöopathen kaum geteilt werden dürfte.