Quanteneffekt oder Wellentheorie, beides geht nicht

Prof. Walach beschäftigt sich mit der generalisierten Quantentheorie. Dabei ordnet er dem Begriff der Komplementarität vorrangige Bedeutung zu.

Mit der Quantenmechanik kommt ein neuer Aspekt in die Diskussion, nämlich die ganzheitliche Betrachtung von Situationen, Gegenständen oder Sachverhalten, bei denen maximal inkompatible Gegensätze nötig werden, um die Sache zu verstehen.

Man sieht daran: der grundlegendste Sachverhalt, der von der Quantenmechanik erfasst wird, der bislang nicht in der geistesgeschichtlichen Diskussion relevant war, ist der theoretische Umgang mit komplementären oder inkompatiblen Begriffspaaren. Genauer gesagt, in der Quantenmechanik sind solche Grössen nötig und unreduzierbar.

Meistens übersehen oder ignorieren wir sie, weil sie in unserem klassisch-physikalischen Weltbild keinen Platz haben, oder aber, wir versuchen – unzulänglicher und unzulässiger Weise – solche Phänomene mit einem notdürftigen kausalen Verständnis auszustatten. Telepathie, Hellsehen, Präkognition etwa wären lebensweltliche Phänomene, von denen wir vermuten, dass sie nichtlokal in ihrer Natur sind und daher als generalisierte Verschränkungsphänomene verstanden werden müssen. Möglicherweise sind auch viele andere Phänomene, die wir noch nicht gut verstanden haben, Beispiele für solche nicht-lokale Verschränkungen generalisierter Art.“

https://harald-walach.de/forschung/schwache-quantentheorie/

Kommentar:

Auf der Grundlage der Hahnemannschen Erkenntnisse stellen sich die Phänomene der Quantenphysik in der Medizin anders dar als von Professor Walach diskutiert.

Wichtigstes Indiz für quantenphysikalische Phänomene in der Medizin ist nach seiner Auffassung das angeblich nicht lokale Phänomen der Telepathie des Hellsehens und der Präkognitionen.

Wir wissen aus den Versuchen, dass 90 % der Personen die behaupten derartige Eigenschaften zu haben als Betrüger entlarvt wurden und unter Versuchsbedingungen keinerlei derartige Phänomene reproduzieren konnten.

Wir wissen, dass ein ganz geringer Personenkreis tatsächlich die Phänomene der Telepathie beherrscht. Das ist in zahlreichen Fallberichten überliefert. Dann ergibt sich die Frage, ob Telepathie auf das Instrumentarium der Quantenphysik zurückgreifen muss um erklärbar zu werden.

Wir wissen darüber hinaus aus der Funktechnik, dass bereits geringfügige Sendeleistung von wenigen Milliwatt einer geeigneten Frequenz ausreichend sind von einem sehr selektiven Empfänger in tausenden von Kilometern Entfernung empfangen zu werden. Entscheidend dabei ist die Resonanz des Senders und des Empfängers. Das Gehirn produziert bei der Informationsverarbeitung  wellenartige elektromagnetische Signale, die möglicherweise über freie elektromagnetische Felder übertragbar sind.

Diese Erkenntnisse bedeuten nichts anderes als das Kommunikation zwischen zwei Lebewesen nicht auf einer Quantenebene über Verschränkung erfolgt, was physikalisch auch schwer nachvollziehbar wäre,  sondern über elektromagnetische Felder mit hoher Resonanz.

Den einzigen sicheren Hinweis auf quantenphysikalische Vorgänge im lebenden Organismus haben wir durch Hahnemann und neuere Versuche geliefert bekommen.

Die zunehmende Wirkung homöopathischer Mittel durch Potenzieren erlaubt den Rückschluss auf das Fehlen des Ausgangsstoffes und eine informationsartiger Weitergabe der Heilinformation.

Diese wirkt jedoch nicht über eine Entfernung sondern ausschließlich durch Kontakt in Form des Berührens der Nervenenden.

Damit ist bereits der große Irrtum vieler Homöopathen der Gegenwart angesprochen. Sie meinen teilweise, die Heilinformation sei unabhängig von der Berührung des homöopathischen Mittels mit den Nervenenden wirksam und behaupten damit eine Fernwirkung oder Geistheilung homöopathischer Mittel.  Das widerspricht jedoch den Erkenntnissen von Hahnemann von Anfang an, sowie zahlreichen anderer Homöopathen, einschließlich meiner Person.

Für Professor Walach ist der psychotherapeutische Ansatz verständlicherweise vorzuziehen. Er spielt in der Homöopathie ebenfalls eine wichtige Rolle.

Die Auffassung, dass Fernwirkungseffekte Telepathie Hellsehen und Präkognition mit Quantenphysik zu erklären wären ist nicht nachvollziehbar.

Verschränkung unter Lebewesen könnte angenommen werden, wenn wir alle Lebewesen auf wenige Ausgangsmoleküle zurückführen, die von Anfang an verschränkt waren und die Verschränkung im Laufe der Evolution weiter gegeben haben.

Sie setzt weiter voraus, dass alle verschränkten Elemente zumindest in der Evolution einmal Kontakt miteinander hatten und durch zelluläre Mechanismen verschränkt worden sind. Auch diese Annahme ist nachvollziebar.

Die Voraussetzungen könnten für Mutter Kind oder Vater Kind angenommen werden, für weiter entfernte Verwandte nur noch in geringerem Maße.

Eine Informationsübertragung über die Verschränkung dürfte dabei jedoch nicht das entscheidende Erklärungsmodell darstellen, sondern lediglich eine Bereitstellung synchroner Sender und Empfänger. Ihre Synchronisation wird durch die ursprüngliche Verschränkung der beteiligten Moleküle hergestellt und damit hochresonante Systeme geschaffen, die ihrerseits über elektromagnetische Wellen räumliche Entfernungen überwinden könnten um Informationen auszutauschen.

Ein Modell wie alleine über quantenphysikalische Verschränkungen Informationen über Entfernungen übertragen werden könnten, ohne die Übertragung des verschränkten Teilchens, wurde von ihm nicht erläutert und kann hier nicht nachvollzogen werden.

Alledings wird beim Berühren der Nervenenden durch das homöopathische Mittel ausschließlich eine Quanteninformation durch Verschränkung mit dem Empfänger übertragen, nicht etwa eine elektromagnetische Schwingung durch Einwirkung auf das Nervensystem.

Das sind die beiden Phänomene die heute in der Alternativmedizin regelmäßig verwechselt werden.

Der Glaube des Homöopathen bei Kent

Herr Kent ging davon aus, dass nur ein gläubiger Mensch Homöopath werden könne. Ich habe vorangehenden Beitrag bereits darauf aufmerksam gemacht, dass die Heilung chronischer Krankheiten ein Eingriff in das Geschehen der Evolution ist und damit dem alten Mann mit dem weißen Bart in das Handwerk pfuscht.

Man kann deshalb die Auffassung vertreten es stehe dem Menschen nicht zu Gottes Werk zu boykottieren.

In der Tat kommt aus katholischen Kreisen regelmäßig Kritik an der Homöopathie, die darin eine Art Hexerei sehen wollen.

Damit sind wir bereits mitten in den Grundfragen jeder Religion angelangt.

Wer Medizin und noch mehr die Menschwerdung als das Ergebnis chemischer Reaktionen ansieht wird weder das Wesen der Lebenskraft noch das der Lebensbeendigungsprogramme verstehen können.

Wenn ich Medizin und die Menschwerdung jedoch als eine Fortsetzung des Werkes Gottes ansehe wird die Auffassung von Herrn Kent verständlich.

Richtige Homöopathie ist die Fortsetzung des Werkes Gottes ohne Hexerei und übersinnlichen Unfug oder sonstiger Heilslehren.

Wer dabei die Heilslehren der Religion beiseite schiebt, Medizin nicht als Nächstenliebe begreift, sondern als Gelderwerbsquelle und dabei möglicherweise sogar noch mit betrügerischen Mitteln arbeitet, der ist als Fortsetzer der Werke Gottes nicht geeignet, sondern eher Vertreter des Faustischen Alltagsmenschen in Mitteleuropa, wie er uns bereits in der Schule nahe gelegt wird.

Wer wissen möchte was Nächstenliebe ist, der sollte zum Sikhtempel nach Delhi fahren und sich die Speisung der Zehntausenden ansehen.

Die Ursünde bei Kent

Die Skeptiker erklären Kent wie folgt:

„Kent war ein gläubiger Mensch. Nach dem Tod seiner zweiten Frau befasste er sich mit dem schwedischen Naturwissenschaftler und Mystiker Swedenborg.[7] Swedenborg hatte nach einem Erweckungserlebnis geäußert, „Gott“ habe ihm mitgeteilt, er solle eine neue Kirche gründen, wie es in der Apokalypse des Johannes verheißen sei. In der homöopathischen Literatur beschäftigen sich viele Schriften mit dem Einfluss Swedenborgs auf Kent und damit auf die Homöopathie.[7][8][9][10] Kent war der Ansicht, Homöopathie und Glaube seien nicht zu trennen[B 6] und ging davon aus, nur ein gläubiger Mensch könne Homöopath werden.[B 7][6] Gesundheit und Krankheit waren für Kent eine Frage der Moral.[B 8][B 9][B 10] Den Ursprung aller Erkrankungen, die durch „Psora“ ausgelöst wurden[B 11] (lt. Kent ca. 85%), gehe auf den Sündenfall im Paradies zurück:

Hier sei nur gesagt, dass sie [Anm: die Psora] zusammenhängt mit dem ersten großen Fehltritt des Menschen, der Ursünde, welche die erste Krankheit des Menschen gewesen ist, ich verstehe darunter die geistige Aberration, diesen Primärzustand, der der gesamten menschlichen Rasse die Anfälligkeit für die Psora einbrachte und welche ihrerseits die Grundlage für alle weiteren Krankheiten gab.[11]

Nach Kents Ansicht ist jeder Mensch von Geburt an krank und die Homöopathie dient dazu, ihn gesund zu machen.[B 12][B 13][B 14][B 15]

http://www.homöopedia.eu/index.php/Artikel:James_Tyler_Kent

Kommentar:

An den Äußerungen des Herrn Kent zur angeblichen Ursünde, wie sie von den Kirchen auch in der Gegenwart zum Teil noch gepredigt werden, sieht man deutlich, dass er sich nicht von den religiös philosophischen Vorstellung seiner Zeit befreien konnte.

Richtig ist die Auffassung von Herrn Kent, dass jeder Mensch von Geburt an krank ist und die Homöopathie dazu dient ihn gesund zu machen. Das bedarf jedoch einer Erläuterung. Hahnemann sprach von einer schlummernden Psora. Das meint, eine chronische Krankheit tritt in Abhängigkeit vom Lebensalter plötzlich hervor, die vorher nicht ansatzweise zu erkennen war.

Das ist jedoch ganz typisch für alle chronischen Krankheiten.

Nichts zu tun hat das hingegen mit einer angeblichen Ursünde. Die chronischen Krankheiten haben nur einen Sinn wenn sie evolutionsbiologisch als Lebensbeendigungsprogramme angesehen werden. Dann dienen sie zur Begrenzung der Lebensspanne und zum Räumen von Ressourcen für die Nachfahren.

Wer sich gegen die chronischen Krankheiten stellt und versucht sie zu heilen stellt sich gegen die evolutionären Lebensbeendigungsprogramme und damit letztlich auch gegen Gott, egal was darunter verstanden werden soll.

So weit ging Herr Kent jedoch nicht. Er war der Auffassung man könne diese Lebensbeendigungsprogramme homöopathisch heilen. Die relativ kurze Lebensspanne, die er selbst hatte, wurde durch seine eigene Homöopathie offenbar nicht unbedingt verlängert. Er wurde nach den obigen Ausführungen 67 Jahre alt (geb. 31. März 1849, verst. am 06. Juni 1916). Wenn Homöopathie in der Lage wäre Lebensbeendigungsprogramme erfolgreich abzuschalten, würde ich ein Leben mit einer Länge von mehr als 140 Jahren erwarten.

Das ist bis heute nirgendwo glaubwürdig überliefert. Bis wir dieses Ziel erreicht haben müssen wir zuerst davon ausgehen, dass die genetische Programmierung sehr stabil ist und nicht durch Homöopathie oder sonstige Behandlung wesentlich verlängert werden kann.

Da die Lebensspanne keine feststehende Größe ist sondern von verschiedensten Faktoren abhängig ist, die wir zum Teil auch selbst beeinflussen können, sollte mit Homöopathie jedoch zumindestens der obere Durchschnitt des Lebensalter von bis zu 90 Jahren erreicht werden.

Davon sind die Anhänger der Kant’schen Homöopathie jedoch auch weit entfernt.

Vom Endzweck des Menschseins bei Kant

Kant schreibt:

Von dem Menschen nun (und so jedem vernünftigen Wesen in der Welt), als einem moralischen Wesen, kann nicht weiter gefragt werden: wozu (quem in finem) er existiere. Sein Dasein hat den höchsten Zweck selbst in sich, dem, so viel er vermag, er die ganze Natur unterwerfen kann, wenigstens welchem zuwider er sich keinem Einflusse der Natur unterworfen halten darf. – Wenn nun Dinge der Welt, als ihrer Existenz nach abhängige Wesen, einer nach Zwecken handelnden obersten Ursache bedürfen, so ist der Mensch der Schöpfung Endzweck; denn ohne diesen wäre die Kette der einander untergeordneten Zwecke nicht vollständig gegründet; und nur im Menschen, aber auch in diesem nur als Subjekte der Moralität, ist die unbedingte Gesetzgebung in Ansehung der Zwecke anzutreffen, welche ihn also allein fähig macht, ein Endzweck zu sein, dem die ganze Natur teleologisch untergeordnet ist.32

[Kant: Kritik der Urteilskraft. DB Sonderband: Die digitale Bibliothek der Philosophie, S. 29118

(vgl. Kant-W Bd. 10, S. 394-395)]

 

Kommentar:

Hahnemann hat bewusst abgelehnt über medizinische Sachverhalte zu spekulieren und ein philosophisches Gebäude dafür zu errichten.

Wie wir in den chronischen Krankheiten bei Hahnemann sehen, kam auch er nicht umhin eine Theorie der chronischen Krankheiten aufzustellen. Das wurde von nachfolgenden Homöopathen als Einladung aufgefasst wildeste philosophische Spekulationen zur Homöopathie aufzustellen, die jeglicher nachprüfbarer Grundlage entbehren.

Ich möchte deshalb in dieser Betrachtung auf die Elementarebene zurückkommen. Ganz ohne elementare Betrachtung zum Menschsein und den Krankheiten wird eine Medizin nicht in der Lage sein Krankheiten zu erkennen zu behandeln und zu heilen.

Die Philosophen haben sich seit Menschheitgedenken bemüht eine Theorie vom Sinn des Lebens aufzustellen.

Kant macht dazu eine klare Ansage: Beim Menschen könne nicht hinterfragt werden wozu er überhaupt existiere. Anders formuliert heißt es das menschliche Dasein hat von vornherein keine Sinn und keinen Zweck an sich.

Um den Glauben an einen Sinn im menschlichen Dasein doch noch zu retten greift Herr Kant zu einer Form der Intellektuellen Selbstüberlistung mit Rückfrageverbot. Er postuliert frisch und fröhlich, wenn schon der Mensch einer nach Zwecken handelnden obersten Ursache bedürfe, so sei der Mensch bereits der Endzweck der Schöpfung.

Damit sind wir jedoch bereits wieder bei den biblischen Glaubensaussagen gelandet, ohne dass Herr Kant diese Glaubensaussage auch als solche kennzeichnen würde.

Wohin diese Art der Frömmigkeit führt, sehen wir im Goethespruch:

Engel
Gerettet ist das edle Glied
Der Geisterwelt vom Bösen,
Wer immer strebend sich bemüht,
Den können wir erlösen.
Und hat an ihm die Liebe gar
Von oben teilgenommen,
Begegnet ihm die selige Schar
Mit herzlichem Willkommen.

Vielleicht gibt es auch Erlösung ohne sinnloses Treiben ohne Unterlass?

Wir können uns sparen Jahrtausende alte philosophische Werke zu studieren. Der letzte Sinn des Menschseins wird von keinem Philosophen ernsthaft behauptet. Herr Hahnemann tat gut daran sich nicht an diesen wilden Spekulationen ohne Sinn und Verstand zu beteiligen.

Auch modernen Homöopathen täten besser  daran sich von esoterischen Spinnereien der Neuzeit fernzuhalten.