Essen und Ersatzreligion

Die FAZ schreibt:

„Immer häufiger liest man, dass Essen als Ersatzreligion bezeichnet wird.

Es ist ja erst einmal so, dass der christliche Glaube relativ verblasst ist. Noch vor 400 Jahren war es in Europa undenkbar, nicht an Gott zu glauben. Man konnte ketzerisch sein, aber es war undenkbar, seine Existenz nicht anzuerkennen. Heute ist das anders. Damit ist aber das religiöse Bedürfnis nicht ausgestorben. Dementsprechend suchen sich Menschen andere Felder, die ein Religionsersatz sein können. Und dazu gehört das Essen.“

http://www.faz.net/aktuell/stil/essen-trinken/ernaehrung-als-kriegsschauplatz-der-ernaehrungspsychologe-erklaert-15872819-p2.html

Kommentar:

Wir haben in diesem Blog bereits des Öfteren über Ersatzreligionen gesprochen. Hier wird in der FAZ die Ersatzreligion des gerechten Essens diskutiert.

Zur Definition:

Als Ersatzreligion muss jede Glaubensrichtung bezeichnet werden die geeignet ist um die sinnstiftende Orientierung im Leben zu bieten.

Darunter fällt also jede bewusste und unbewusste Ausrichtung des Lebens auf einen letzten Lebenssinn.

Es dürfte Einigkeit bestehen, dass alle alten Religionen Gott in der einen oder anderen Form als den Sinn des Lebens betrachtet haben. Gott wurde dabei nicht etwa als satanischer Geist der Hölle der Zerstörung wie bei Faust, sondern als der Schöpfer des Himmels und der Erde angesehen.

Die Ersatzreligion des Vegetarismus ist erst seit wenigen Jahren zu Ersatzreligion aufgestiegen, etwa parallel zum Kommunismus in der bürgerlichen Gesellschaft der Gegenwart.

Je weniger sich die christlichen Kirchen in ihren Religionsvorstellungen an Gott orientieren, als vielmehr am Mammon, haben sie an Glaubwürdigkeit verloren und sind gerade für junge Menschen ungeeignet einen Lebenssinn zu stiften.

Da sich ohne Lebenssinn schlecht leben lässt wird krampfhaft nach einer Ersatzreligion gesucht, die genauso verteidigt wird wie das Christentum durch die Inquisition.

Nicht ausgenommen von dieser schlechten Ersatzreligion ist die neue Wissenschaftsgläubigkeit. Sie hat besonders in der Medizin und der Alternativmedizin Einzug gehalten.

Dennoch taugt keine Ersatzreligion auch nur annähernd als Lebenssinn.

Warum am Vegetarismus etwas dran ist, zwar nicht als Religion, aber als Haltung gegenüber der Schöpfung kann im Video gesehen werden. Der Bauer wünscht sich den Verbleib der Seele auf dem Hof, wenn das Tier dort geschlachtet wird. Wer die traurigen Augen der geschlachteten Kuh erblickt hat, wird nicht mehr so gerne Rindfleisch essen. Ein sehenswerter Schlachtfilm, nicht jedoch für zarte Gemüter.

https://www.youtube.com/watch?v=MLwhspkLKx4

Kohärenz des Unterbewusstseins

Herr Gassner beantwortet die Frage nach dem Bewusstsein.

Kann die Quantenphysik Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften miteinander verbinden?

Ist Bewusstsein etwas was sich im Laufe des Lebens nach und nach entwickelt hat? (ab Min. 9).

Herr Gassner führt dazu aus, dass Bewusstsein etwas mit Leben und Gehirn zu tun habe.

Ab Minute 5 erklärt er die Wechselwirkung Kohärenz zur Dekohärenz.

Betrachten wir die entwickelten Gedankengänge aus der Sicht der Alternativmedizin ergeben sich andere Schlussfolgerungen.

Ich habe in vorangehenden Beiträgen ausgeführt, dass das  Unterbewusstsein ein Schwebezustand aus der Sicht der Quantenphysik darstellen muss.

Das ergibt sich aus der Art der Informationsverarbeitung im Gehirn. Wir sind in der Lage mit dem Gedächtnis gleichzeitig eine fast unbegrenzte Zahl von Informationen abzurufen, ein digitaler Computer müsste aller Speicher nacheinander abarbeiten, um die gewünschte Information zu finden.

Das erfolgt über das Unterbewusstsein. Die Arbeitsweise des Unterbewusstseins lässt sich nur dann verstehen, wenn wir von einem Schwebezustand der Quanteninformation ausgehen der physikalisch als Superposition angesehen werden muss. Informationen bestehen parallel in einem Zustand der Ungewissheit und sind gleichzeitig vorhanden ohne als Information erkennbar zu sein. Erst wenn sie abgerufen wird ist das Ergebnis, die Information bekannt.

Beim herkömmlichen digitalen Computer erfolgt die Informationsverarbeitung mit Hilfe einer binären Information zwischen Null und Eins. Beim Gehirn besteht die Information unausgelesen  in der Superposition oder im Schwebezustand. Es existieren gleichzeitig eine relativ unendliche Anzahl von Informationsmöglichkeiten die erst beim Abrufen der Information als Information erkennbar und von Bedeutung wird.

Das Unterbewusstsein aus der Superposition bzw. Kohärenz steht dem Bewusstsein gegenüber.

Daraus können wir schlussfolgern, dass das Bewusstsein nicht etwa eine spezielle menschliche Eigenschaft ist, sondern generell mit dem Leben verbunden ist. Das Bewußtsein ist dann nichts anderes als das Dekohärenzinterface des Unterbewußtseins. Es liest das Unterbewußtsein aus und ist im ungekehrten Vorgang in der Lage Informationen in das Unterbewußtsein zu transportieren, wenn wir von den elementaren Dienstprogrammen der einfachen Lebensvorgänge absehen.

Die Art der Informationsverarbeitung finden die bereits bei den elementaren stofflichen Vorstufen des Lebens, kommunizierenden Eiweißen, Viren, den Bakterien und den Tieren. Sie ermöglichen die Realisierung von einfachen Dienstprogrammen des Lebens und die Lebenskraft.

Wenn wir diese Betrachtungsweise auf die philosophischen Theorien anwenden, kommen jetzt schnell zu dem Ergebnis, dass dem Bewusstsein des Menschen durch die Philosophie eine Überhöhung zugesprochen wurde, die sich aus der Evolution und aus der Art der Informationsverarbeitung nicht begründen lässt (vgl. cogito ergo sum).

Herrn Gassner ist also beizupflichten, wenn er davon ausgeht, dass es dem Mond schon immer egal war ob er von einem Menschen gesehen wird oder nicht.

Das Unterbewusstsein hat demzufolge keinen Einfluss auf das Universum. Die gegenteilige Auffassung kommt nur bei Esoteriker vor die sich von der Realität weit entfernt haben und bei einigen Philosophen.

Der Glaube des Homöopathen bei Kent

Herr Kent ging davon aus, dass nur ein gläubiger Mensch Homöopath werden könne. Ich habe vorangehenden Beitrag bereits darauf aufmerksam gemacht, dass die Heilung chronischer Krankheiten ein Eingriff in das Geschehen der Evolution ist und damit dem alten Mann mit dem weißen Bart in das Handwerk pfuscht.

Man kann deshalb die Auffassung vertreten es stehe dem Menschen nicht zu Gottes Werk zu boykottieren.

In der Tat kommt aus katholischen Kreisen regelmäßig Kritik an der Homöopathie, die darin eine Art Hexerei sehen wollen.

Damit sind wir bereits mitten in den Grundfragen jeder Religion angelangt.

Wer Medizin und noch mehr die Menschwerdung als das Ergebnis chemischer Reaktionen ansieht wird weder das Wesen der Lebenskraft noch das der Lebensbeendigungsprogramme verstehen können.

Wenn ich Medizin und die Menschwerdung jedoch als eine Fortsetzung des Werkes Gottes ansehe wird die Auffassung von Herrn Kent verständlich.

Richtige Homöopathie ist die Fortsetzung des Werkes Gottes ohne Hexerei und übersinnlichen Unfug oder sonstiger Heilslehren.

Wer dabei die Heilslehren der Religion beiseite schiebt, Medizin nicht als Nächstenliebe begreift, sondern als Gelderwerbsquelle und dabei möglicherweise sogar noch mit betrügerischen Mitteln arbeitet, der ist als Fortsetzer der Werke Gottes nicht geeignet, sondern eher Vertreter des Faustischen Alltagsmenschen in Mitteleuropa, wie er uns bereits in der Schule nahe gelegt wird.

Wer wissen möchte was Nächstenliebe ist, der sollte zum Sikhtempel nach Delhi fahren und sich die Speisung der Zehntausenden ansehen.

Die Ursünde bei Kent

Die Skeptiker erklären Kent wie folgt:

„Kent war ein gläubiger Mensch. Nach dem Tod seiner zweiten Frau befasste er sich mit dem schwedischen Naturwissenschaftler und Mystiker Swedenborg.[7] Swedenborg hatte nach einem Erweckungserlebnis geäußert, „Gott“ habe ihm mitgeteilt, er solle eine neue Kirche gründen, wie es in der Apokalypse des Johannes verheißen sei. In der homöopathischen Literatur beschäftigen sich viele Schriften mit dem Einfluss Swedenborgs auf Kent und damit auf die Homöopathie.[7][8][9][10] Kent war der Ansicht, Homöopathie und Glaube seien nicht zu trennen[B 6] und ging davon aus, nur ein gläubiger Mensch könne Homöopath werden.[B 7][6] Gesundheit und Krankheit waren für Kent eine Frage der Moral.[B 8][B 9][B 10] Den Ursprung aller Erkrankungen, die durch „Psora“ ausgelöst wurden[B 11] (lt. Kent ca. 85%), gehe auf den Sündenfall im Paradies zurück:

Hier sei nur gesagt, dass sie [Anm: die Psora] zusammenhängt mit dem ersten großen Fehltritt des Menschen, der Ursünde, welche die erste Krankheit des Menschen gewesen ist, ich verstehe darunter die geistige Aberration, diesen Primärzustand, der der gesamten menschlichen Rasse die Anfälligkeit für die Psora einbrachte und welche ihrerseits die Grundlage für alle weiteren Krankheiten gab.[11]

Nach Kents Ansicht ist jeder Mensch von Geburt an krank und die Homöopathie dient dazu, ihn gesund zu machen.[B 12][B 13][B 14][B 15]

http://www.homöopedia.eu/index.php/Artikel:James_Tyler_Kent

Kommentar:

An den Äußerungen des Herrn Kent zur angeblichen Ursünde, wie sie von den Kirchen auch in der Gegenwart zum Teil noch gepredigt werden, sieht man deutlich, dass er sich nicht von den religiös philosophischen Vorstellung seiner Zeit befreien konnte.

Richtig ist die Auffassung von Herrn Kent, dass jeder Mensch von Geburt an krank ist und die Homöopathie dazu dient ihn gesund zu machen. Das bedarf jedoch einer Erläuterung. Hahnemann sprach von einer schlummernden Psora. Das meint, eine chronische Krankheit tritt in Abhängigkeit vom Lebensalter plötzlich hervor, die vorher nicht ansatzweise zu erkennen war.

Das ist jedoch ganz typisch für alle chronischen Krankheiten.

Nichts zu tun hat das hingegen mit einer angeblichen Ursünde. Die chronischen Krankheiten haben nur einen Sinn wenn sie evolutionsbiologisch als Lebensbeendigungsprogramme angesehen werden. Dann dienen sie zur Begrenzung der Lebensspanne und zum Räumen von Ressourcen für die Nachfahren.

Wer sich gegen die chronischen Krankheiten stellt und versucht sie zu heilen stellt sich gegen die evolutionären Lebensbeendigungsprogramme und damit letztlich auch gegen Gott, egal was darunter verstanden werden soll.

So weit ging Herr Kent jedoch nicht. Er war der Auffassung man könne diese Lebensbeendigungsprogramme homöopathisch heilen. Die relativ kurze Lebensspanne, die er selbst hatte, wurde durch seine eigene Homöopathie offenbar nicht unbedingt verlängert. Er wurde nach den obigen Ausführungen 67 Jahre alt (geb. 31. März 1849, verst. am 06. Juni 1916). Wenn Homöopathie in der Lage wäre Lebensbeendigungsprogramme erfolgreich abzuschalten, würde ich ein Leben mit einer Länge von mehr als 140 Jahren erwarten.

Das ist bis heute nirgendwo glaubwürdig überliefert. Bis wir dieses Ziel erreicht haben müssen wir zuerst davon ausgehen, dass die genetische Programmierung sehr stabil ist und nicht durch Homöopathie oder sonstige Behandlung wesentlich verlängert werden kann.

Da die Lebensspanne keine feststehende Größe ist sondern von verschiedensten Faktoren abhängig ist, die wir zum Teil auch selbst beeinflussen können, sollte mit Homöopathie jedoch zumindestens der obere Durchschnitt des Lebensalter von bis zu 90 Jahren erreicht werden.

Davon sind die Anhänger der Kant’schen Homöopathie jedoch auch weit entfernt.

Vom Endzweck des Menschseins bei Kant

Kant schreibt:

Von dem Menschen nun (und so jedem vernünftigen Wesen in der Welt), als einem moralischen Wesen, kann nicht weiter gefragt werden: wozu (quem in finem) er existiere. Sein Dasein hat den höchsten Zweck selbst in sich, dem, so viel er vermag, er die ganze Natur unterwerfen kann, wenigstens welchem zuwider er sich keinem Einflusse der Natur unterworfen halten darf. – Wenn nun Dinge der Welt, als ihrer Existenz nach abhängige Wesen, einer nach Zwecken handelnden obersten Ursache bedürfen, so ist der Mensch der Schöpfung Endzweck; denn ohne diesen wäre die Kette der einander untergeordneten Zwecke nicht vollständig gegründet; und nur im Menschen, aber auch in diesem nur als Subjekte der Moralität, ist die unbedingte Gesetzgebung in Ansehung der Zwecke anzutreffen, welche ihn also allein fähig macht, ein Endzweck zu sein, dem die ganze Natur teleologisch untergeordnet ist.32

[Kant: Kritik der Urteilskraft. DB Sonderband: Die digitale Bibliothek der Philosophie, S. 29118

(vgl. Kant-W Bd. 10, S. 394-395)]

 

Kommentar:

Hahnemann hat bewusst abgelehnt über medizinische Sachverhalte zu spekulieren und ein philosophisches Gebäude dafür zu errichten.

Wie wir in den chronischen Krankheiten bei Hahnemann sehen, kam auch er nicht umhin eine Theorie der chronischen Krankheiten aufzustellen. Das wurde von nachfolgenden Homöopathen als Einladung aufgefasst wildeste philosophische Spekulationen zur Homöopathie aufzustellen, die jeglicher nachprüfbarer Grundlage entbehren.

Ich möchte deshalb in dieser Betrachtung auf die Elementarebene zurückkommen. Ganz ohne elementare Betrachtung zum Menschsein und den Krankheiten wird eine Medizin nicht in der Lage sein Krankheiten zu erkennen zu behandeln und zu heilen.

Die Philosophen haben sich seit Menschheitgedenken bemüht eine Theorie vom Sinn des Lebens aufzustellen.

Kant macht dazu eine klare Ansage: Beim Menschen könne nicht hinterfragt werden wozu er überhaupt existiere. Anders formuliert heißt es das menschliche Dasein hat von vornherein keine Sinn und keinen Zweck an sich.

Um den Glauben an einen Sinn im menschlichen Dasein doch noch zu retten greift Herr Kant zu einer Form der Intellektuellen Selbstüberlistung mit Rückfrageverbot. Er postuliert frisch und fröhlich, wenn schon der Mensch einer nach Zwecken handelnden obersten Ursache bedürfe, so sei der Mensch bereits der Endzweck der Schöpfung.

Damit sind wir jedoch bereits wieder bei den biblischen Glaubensaussagen gelandet, ohne dass Herr Kant diese Glaubensaussage auch als solche kennzeichnen würde.

Wohin diese Art der Frömmigkeit führt, sehen wir im Goethespruch:

Engel
Gerettet ist das edle Glied
Der Geisterwelt vom Bösen,
Wer immer strebend sich bemüht,
Den können wir erlösen.
Und hat an ihm die Liebe gar
Von oben teilgenommen,
Begegnet ihm die selige Schar
Mit herzlichem Willkommen.

Vielleicht gibt es auch Erlösung ohne sinnloses Treiben ohne Unterlass?

Wir können uns sparen Jahrtausende alte philosophische Werke zu studieren. Der letzte Sinn des Menschseins wird von keinem Philosophen ernsthaft behauptet. Herr Hahnemann tat gut daran sich nicht an diesen wilden Spekulationen ohne Sinn und Verstand zu beteiligen.

Auch modernen Homöopathen täten besser  daran sich von esoterischen Spinnereien der Neuzeit fernzuhalten.