Vom Endzweck des Menschseins bei Kant

Kant schreibt:

Von dem Menschen nun (und so jedem vernünftigen Wesen in der Welt), als einem moralischen Wesen, kann nicht weiter gefragt werden: wozu (quem in finem) er existiere. Sein Dasein hat den höchsten Zweck selbst in sich, dem, so viel er vermag, er die ganze Natur unterwerfen kann, wenigstens welchem zuwider er sich keinem Einflusse der Natur unterworfen halten darf. – Wenn nun Dinge der Welt, als ihrer Existenz nach abhängige Wesen, einer nach Zwecken handelnden obersten Ursache bedürfen, so ist der Mensch der Schöpfung Endzweck; denn ohne diesen wäre die Kette der einander untergeordneten Zwecke nicht vollständig gegründet; und nur im Menschen, aber auch in diesem nur als Subjekte der Moralität, ist die unbedingte Gesetzgebung in Ansehung der Zwecke anzutreffen, welche ihn also allein fähig macht, ein Endzweck zu sein, dem die ganze Natur teleologisch untergeordnet ist.32

[Kant: Kritik der Urteilskraft. DB Sonderband: Die digitale Bibliothek der Philosophie, S. 29118

(vgl. Kant-W Bd. 10, S. 394-395)]

 

Kommentar:

Hahnemann hat bewusst abgelehnt über medizinische Sachverhalte zu spekulieren und ein philosophisches Gebäude dafür zu errichten.

Wie wir in den chronischen Krankheiten bei Hahnemann sehen, kam auch er nicht umhin eine Theorie der chronischen Krankheiten aufzustellen. Das wurde von nachfolgenden Homöopathen als Einladung aufgefasst wildeste philosophische Spekulationen zur Homöopathie aufzustellen, die jeglicher nachprüfbarer Grundlage entbehren.

Ich möchte deshalb in dieser Betrachtung auf die Elementarebene zurückkommen. Ganz ohne elementare Betrachtung zum Menschsein und den Krankheiten wird eine Medizin nicht in der Lage sein Krankheiten zu erkennen zu behandeln und zu heilen.

Die Philosophen haben sich seit Menschheitgedenken bemüht eine Theorie vom Sinn des Lebens aufzustellen.

Kant macht dazu eine klare Ansage: Beim Menschen könne nicht hinterfragt werden wozu er überhaupt existiere. Anders formuliert heißt es das menschliche Dasein hat von vornherein keine Sinn und keinen Zweck an sich.

Um den Glauben an einen Sinn im menschlichen Dasein doch noch zu retten greift Herr Kant zu einer Form der Intellektuellen Selbstüberlistung mit Rückfrageverbot. Er postuliert frisch und fröhlich, wenn schon der Mensch einer nach Zwecken handelnden obersten Ursache bedürfe, so sei der Mensch bereits der Endzweck der Schöpfung.

Damit sind wir jedoch bereits wieder bei den biblischen Glaubensaussagen gelandet, ohne dass Herr Kant diese Glaubensaussage auch als solche kennzeichnen würde.

Wohin diese Art der Frömmigkeit führt, sehen wir im Goethespruch:

Engel
Gerettet ist das edle Glied
Der Geisterwelt vom Bösen,
Wer immer strebend sich bemüht,
Den können wir erlösen.
Und hat an ihm die Liebe gar
Von oben teilgenommen,
Begegnet ihm die selige Schar
Mit herzlichem Willkommen.

Vielleicht gibt es auch Erlösung ohne sinnloses Treiben ohne Unterlass?

Wir können uns sparen Jahrtausende alte philosophische Werke zu studieren. Der letzte Sinn des Menschseins wird von keinem Philosophen ernsthaft behauptet. Herr Hahnemann tat gut daran sich nicht an diesen wilden Spekulationen ohne Sinn und Verstand zu beteiligen.

Auch modernen Homöopathen täten besser  daran sich von esoterischen Spinnereien der Neuzeit fernzuhalten.

Das verkürzte Krebs-Leben

Die NZZ berichtet:

„Jonathan Haidt studierte Philosophie und Psychologie in Yale, an der University of Chicago und der University of Pennsylvania und spezialisierte sich auf die Psychologie des Moralempfindens.

Verengter Blick

Noch ein weiterer interessanter Zug lässt sich bei der heutigen Identitätspolitik ausmachen: Sie lehrt Studenten in einer Weise zu denken, die den Zielsetzungen einer liberalen humanistischen Bildung diametral entgegengesetzt ist. Als ich in den 1980er Jahren in Yale studierte, wurden mir die unterschiedlichsten Instrumente an die Hand gegeben, um die Welt zu verstehen. Ich konnte sie als Utilitarier oder als Kantianer betrachten, als Freudianer oder als Behaviorist, als Informatiker oder als Humanwissenschafter. Jeden Sachverhalt konnte ich durch vielerlei Linsen in den Blick nehmen.

Heute aber wird zumindest in denjenigen Fächern, die soziale Gerechtigkeit höher werten als eine unvoreingenommene Wahrheitssuche, nur eine einzige Linse – der Machtfaktor – ausgegeben, durch welche die Studierenden alles und jedes betrachten müssen. Es geht nur mehr darum, die Bösen zu identifizieren, die ihre Macht und ihre Privilegien gegen die Guten verteidigen. Das ist keine Bildung. Das ist die Einführung in einen Kult, eine fundamentalistische Religion, eine paranoide Weltsicht, die Angst und Entfremdung sät und die Menschen in die intellektuelle Impotenz treibt.“

https://www.nzz.ch/feuilleton/was-amerikas-einheit-untergraebt-ld.1407532

Kommentar:

Herr Haid beklagt die zunehmende Polarisierung innerhalb der amerikanischen Gesellschaft. Wer einmal in Los Angeles auf dem Flughafen für das Geldwechseln von einem Funfdollarschein in einzelne Dollarmünzen bereits einen Dollar bezahlen sollte, der weiß was in diesem Land völlig schief läuft: Es ist die Gier nach dem Mammon.

Wir erinnern uns, dass Siegmund Freud, der diese Gier nach Mammon bereits als eine Geistesstörung betrachtet hat die den Amerikanern zu eigen sei.

In der DDR sozialisierte Bürger kannten diese grenzenlose Gier nach dem Mammon nur vom Hörensagen. Dort wurde von der kommunistischen Partei, der angeblichen SED, vorgeschrieben welcher Artikel des täglichen Lebens welchen Preis hat und wie viel der einzelne Untertan der kommunistischen Partei als Arbeitslohn zu erhalten hat.

Davon ist die amerikanische Gesellschaft weit entfernt. Dort gibt es zwar einen Mindestverdienst. Dem steht jedoch weder eine bezahlbare Miete für die Wohnung noch eine garantierter Maximal preis für Lebensmittel und andere notwendige Dinge gegenüber, die mit dem geringen Mindestlohn bezahlt werden könnten.

Dann schauen wir uns an was Herr Haid an den amerikanischen Universitäten beklagt.

„Was würden unsere Vorfahren sagen, wenn sie unsere renommiertesten Universitäten besuchten und dort von Mikroaggressionen, «trigger warnings» und «safe spaces» hörten, wenn sie die von Konflikten, Einschüchterung und Ängsten geschwängerte Luft atmen müssten? – Fragen wir lieber erst nach, wie es so weit kommen konnte.“

Wie wir aus diesen Ausführungen entnehmen können, geht es den Studenten an den amerikanischen Universitäten nicht mehr um die Sicherung ihres grundlegenden Lebensrechtes. Es geht ihnen darum, ihre angeblich berechtigten Gefühle gegen andere Meinung zu verteidigen und das teilweise sogar mit militanten Maßnahmen.

Es handelt sich also offensichtlich um ein Wohlstandsphänomen.

Jungen Studenten finden anscheinend keine Möglichkeit mehr ihrer eingeborene Aggressivität einem vernünftigen Lebensziel zu widmen.

In einer weit ausgelegten Freudschen Todestriebtheorie richtet sich dieser Aggressivität zuerst gegen die Mitmenschen und dann irgendwann letztlich gegen sich selbst.

Aus der Sicht der Lebenskraft kooperiert das Individuum mit dieser Einstellung nicht mehr mit den anderen zur Erreichung eines höheren Lebenszieles, sondern degeneriert in Richtung Selbstzerstörung.

Krebs ist gekennzeichnet, dass die einzelnen Zellen die Quanteninformationen nicht mehr austauschen. Jede lebt nur für sich allein.

Krebs der Gesellschaft ist gekennzeichnet, dass das einzelne Individuum nur noch seine eigenen Interessen verfolgt, also nur noch darauf ausgerichtet ist seinen eigenen materiellen Wohlstand sinnlos zu vermehren.

Nach diesem Kriterium befinden sich die westlichen Staaten bereits im Endstadium des Krebses.